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Die Motivation zur Konferenz - Franz Nahrada

AutorBeitrag

am 23.02.2009 geschrieben am 23.02.2009 geschrieben

Liebe Leute,

ich bin mit dem Mandelbaum Verlag über die Herausgabe unseres Buches im Kontakt und werde Euch demnächst informieren.

http://www.mandelbaum.at

Angesichts eines Briefwechsels mit Herbert Rauch vom ESD, den ich auf dem Solidarökonomiekongress in Wien wiedergesehen habe und der spontan auf meine Workshops auf diesem Kongress (über virtuelle Kooperativen und Kartierung solidarischer Ökonomie ) reagiert hat, sind ein paar Gedanken entstanden, die ich Euch mitteilen möchte, Gedanken die ich eigentlich schon lange loswerden wollte. Vielleicht kann ich mich so verständlicher machen, was mich antreibt dieses Buch zu machen, und vielleicht motiviert Euch das auch, im kollab weiterzuarbeiten und die Beiträge noch zu verändern oder (in einigen Fällen) doch noch zu liefern.

Ich schrieb an Herbert:

".....Mit meinem intellektuellen Ehrgeiz habe ich mir im Moment ein bischen viel zugemutet, unter anderem die Konferenz "unsichtbare Intelligenz" in Graz. Da ist mir Peter Weibel sehr entgegengekommen, den ich in der Rehab getroffen habe, und hat es mir erlaubt, ein sehr sehr anspruchsvolles intellektuelles Anliegen zu beginnen. Ich wollte den Geist der informierten und daher aufrichtigen Wertschätzung nach Österreich tragen.

Ich wollte einerseits zeigen, dass kritische Gedanken existieren von denen die Öffentlichkeit nicht Notiz nimmt, dass es also hunderte und tausende Menschen in diesem Land gibt, die außergewöhnliche intellektuelle Fähigkeiten haben - und diese auch manifestieren - und nicht wirklich öffentlich wertgeschätzt werden, um es gelinde zu sagen. Natürlich war für Peter und mich dabei der Schwerpunkt auf der Kritik der vielen Facetten unserer zugleich provinziellen und zugleich globalisierten kapitalistischen österreichischen Realität. Die ursprüngliche Intention war für mich schon sehr stark dieses Sichtbarmachen und "Ehren" von Menschen, die in einer Kultur der abstrakten Gleichmacherei auch gerne übersehen werden, weil sie sich eben nicht nach vorne zu drängen verstehen.

Aber es ist so im Lauf der Arbeit an der Unsichtbaren Intelligenz eine zweite, geheime Motivation entstanden, und die hat mich etwas überfordert aber fasziniert mich zugleich sehr und immer mehr. Ich hab eben auch bei sehr vielen Menschen Mechanismen der Selbstausschließung gesehen, und auch die Reproduktion der Nichtwertschätzung die sie von der Gesellschaft erfahren in ihrem eigenen Verhalten und sogar in ihren eigenen Theorien. Also war für mich die zweite Intention, beizutragen zu einer intellektuellen Kultur die überhaupt erst den Boden schafft für die Wertschätzung, die ich in diesem Land schmerzhaft vermisse. Wir sind selbst Teil der Realität die wir kritisieren.

Also war meine Idee, die "verschiedenen Intelligenzen bei der Arbeit" zu zeigen und zu zeigen dass es durchaus - nicht im Sinne eines Wissenschaftspluralismus, mit dem Christian Christiansen genial abgerechnet hat - so etwas gibt wie verschiedene Gegenstände und auch verschiedene Modi der Theorie, die ihnen angepasst sind. Von der Naturwissenschaft kennen wir das, es gibt die Grundlagenforschung, die angewandte Forschung, das Konstruieren, das Design und so weiter - aber in den Geisteswissenschaften gab es niemals eine Kultur davon, hauptsächlich weil diese Wissnschaften sich von vorneherein zum Großteil als "Wissen das Handeln begründet" gar nicht ernst nehmen wollten.

Daraus ist ein fasziniereendes Bild entstanden, zu dem mich die indianischen Medizinräder inspiriert haben, in dem verschiedne Perspektiven geradezu als notwendig für den Erkenntnisprozess gesehen werden. Dieses Bild hat etwas zu tun mit der ewigen Harmonie und Divergenz von kreativer Intelligenz, wahrnehmender Intellugenz, fühlender Intelligenz, erinnernder Intelligenz, endeckender Intelligenz, vorausschauender Intelligenz, praktischer Intelligenz und der "achten Intellligenz" die die Indianer die "shapeshifter intelligence" oder "energy intelligence" nennen - man könnte sie auch die ausbalancierende Intelligenz nennen, die sich nochmal auf dieses "Konzert der Intelligenzen" bezieht und dafür sorgen will dass keine zu kurz kommt. Das Bild ist das einer intellektuellen Kultur in der wir unsere Verschiedenheit aktiv begründet wissen und so in Aktion bringen können."

Ja, so unvermittelt dieser Gedanke jetzt dasteht, so teile ich ihn Euch mit. Hier ist der Ort dazu Stellung zu nehmen.

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